Patrick gegen die KI – Knapper Verlierer nach Punkten
Nicht KI-generierter ContentNach 21 Tagen endet das Experiment: Die KI-generierte Webseite gewinnt mit 40 zu 35 Punkten – doch Kosten und der menschliche Faktor relativieren das Ergebnis.

Nach 21 Tagen kommt dieses Experiment nun zum Ende. Zeit für eine abschließende Bewertung:
1. Umsetzbarkeit
Wie leicht oder schwer war die Realisierung der Webseite bis zum initialen Go-Live beziehungsweise eines MVP?
In dieser Kategorie zeigt sich deutlich die Stärke einer künstlichen Intelligenz. Eine grobe Vorstellung dessen, was man erreichen möchte, einige mehr oder weniger konkrete Eingebungen zum Content sowie zur Struktur und einige Korrekturschleifen nach dem ersten Prompt – und schon steht die Webseite.
Sicher weit entfernt von perfekt. Auf gar keinen Fall mehr als ein MVP. Es mangelt nicht an Optimierungspotenzial, sowohl inhaltlich als auch strukturell. Entwickler weisen auch gerne auf die mäßige Qualität des Codes hin. Sollte man also mehr planen als nur eine private Webseite, muss man bedenken, dass so eine schnell KI-generierte Lösung recht rasch an ihre technischen Grenzen stoßen kann – beispielsweise bei einer späteren Skalierung oder gar Vermarktung, sofern mehr als nur eine Webseite zur Bereitstellung von Content geplant ist.
Unter diesen Prämissen steht der Aufwand jedoch in einem bedeutend besseren Verhältnis zum Ertrag als bei einer Webseite, die man selbst manuell mithilfe eines Baukastens erstellt. Nicht nur der zeitliche Aufwand ist bedeutend geringer; auch die notwendigen Überlegungen zur Struktur nimmt einem die KI, falls nicht anders gewünscht, gerne und mühelos ab.
Selbiges gilt natürlich auch für den Content. Wobei man sich grundsätzlich die Frage stellen sollte: Was soll der Content ausdrücken? Die eigenen Fähigkeiten, Ansichten und die eigene Persönlichkeit – oder lediglich die Fähigkeit, einen halbwegs guten Prompt zu schreiben?
In dieser Kategorie vergebe ich den Sieg mit 10:8 Punkten zugunsten der KI.
2. Usability, Look & Feel und Design
Wie fühlt sich die Webseite bei der Nutzung an?
Diese Kategorie ist sicher recht subjektiv. Es handelt sich auch um keine Anwendung, bei der man in Sachen Nutzerfreundlichkeit grobe Fehler machen kann. Beide Webseiten fühlen sich flüssig an, die Ladezeiten sind akzeptabel, Informationsarchitektur und Content-Organisation geben keinen Anlass zur Beschwerde.
Die Analyse durch eine weitere, unabhängige KI – in diesem Fall Mistral AI – fand auf der manuell erstellten Webseite einige unnötige Elemente.
Ich entscheide diese Kategorie mit 10:10 unentschieden.
3. Performance
- Visitors: Blau (manuelle Webseite) 89 vs. Rot (KI) 90
- Page Views: Blau 89 vs. Rot 141
Wir scheinen hier einen klaren Sieger zu haben. Auch wenn die KI-generierte Seite letztlich im selben Zeitraum nur einen Besucher mehr hatte, überzeugt sie klar mit mehr Seitenaufrufen. Hinzu kommt, dass diese Seite erst kürzer existiert und daher weniger Chancen hatte, sich eine „Stammkundschaft“ aufzubauen.
Diese Kategorie entscheidet die KI mit 10:9 Punkten für sich.
4. Kosten
Diesen Punkt abschließend zu bewerten, ist vielleicht nicht ganz fair. Immerhin kann die KI-Lösung für weit mehr genutzt werden als nur für das einmalige Erstellen einer Webseite. Selbst wenn man nur die kostenlose Version benutzt, kann man über einen gewissen Zeitraum mit den sich immer wieder aufbauenden Credits auch andere Projekte umsetzen.
Die erste kostenpflichtige Stufe kostet circa 220 Euro pro Jahr. Damit ist sie deutlich teurer als der Webseiten-Baukasten mit circa 130 Euro pro Jahr. Hostingkosten lasse ich bei beiden Varianten außen vor.
Es ist also ein wenig der Vergleich von Äpfeln mit Birnen, zumindest wenn man nur auf die Kosten blickt. Angebrachter erscheint hier der Kosten-Nutzen-Vergleich. Diesen gewinnt die KI klar.
Ich vergebe diese Kategorie daher mit 10:8 an die KI.
Gesamtfazit
Die KI-generierte Webseite gewinnt am Ende mit 40:35 Punkten und entscheidet drei von vier Kategorien für sich.
Allerdings bleiben aus meiner Sicht zwei Aspekte bei dieser Bewertung nicht oder nur unzureichend berücksichtigt:
Zum einen ist die kostenpflichtige Version der KI, wenn auch insgesamt leistungsstärker, bedeutend kostspieliger. Wenn man damit wirklich „nur“ eine private Webseite bauen möchte, sollte man überlegen, ob sich diese Investition wirklich lohnt.
Zum zweiten ist der menschliche Faktor bei der KI-erstellten Seite automatisch recht reduziert. Die KI nimmt einem viele eigene Überlegungen ab, was Vor- und Nachteile mit sich bringt. Wenn man also den Anspruch hat, dass die Webseite zu 100 Prozent die eigenen Ideen und die eigene Persönlichkeit ausdrücken soll, sollte man bei der KI-generierten Seite zumindest sicherstellen, dass die KI den zuvor eigens kreierten Content unverfälscht wiedergibt.